
Zwischen Elbe, Heide und Nordsee liegen sechs Landkreise, die verwaltungstechnisch getrennt sind und im Alltag ineinander übergehen. Wer hier lebt, hat meist ein paar Orte, an die er immer wieder zurückkehrt, nicht die bekanntesten, sondern die, die zu einer bestimmten Jahreszeit oder Stimmung passen. Diese Übersicht sammelt für jeden Landkreis einen solchen Ort und sagt dazu, wann er sich lohnt.
Landkreis Stade: das Alte Land im Frühjahr
Das Alte Land ist eines der größten zusammenhängenden Obstanbaugebiete Europas, und für zwei Wochen im Frühjahr verändert die Apfelblüte die gesamte Marsch. Die Deichstraßen entlang der Elbe lassen sich gut mit dem Rad fahren, die Fachwerkhöfe mit ihren Prunkpforten stehen dicht an dicht, und im Herbst gibt es dieselbe Landschaft in der Erntevariante mit Hofläden am Wegrand.
Wer weniger Betrieb sucht, weicht auf die Nebenwege zwischen den Ortschaften aus. Der Blick auf die Elbe mit den vorbeiziehenden Containerschiffen gehört ebenso dazu wie die Obstbäume.
Landkreis Harburg: die Heide vor der Haustür
Der nördliche Teil der Lüneburger Heide beginnt unmittelbar südlich von Hamburg. Die Täler bei Handeloh und Undeloh sind für kurze Wanderungen gut geeignet: Sandwege, Bachläufe, Wacholder, dazwischen Heideflächen, die im Spätsommer violett stehen.
Der Vorteil dieser Ecke ist die Erreichbarkeit: Vieles liegt in Reichweite der Bahn, sodass ein Nachmittag ohne Auto funktioniert. Der Nachteil ist derselbe: an schönen Sonntagen ist man nicht allein. Wer den frühen Morgen wählt, hat die Wege weitgehend für sich.
Landkreis Lüneburg: der alte Hafen an der Ilmenau
Lüneburg lebt sichtbar von seiner Salzgeschichte: schiefe Backsteingiebel, der historische Kran am alten Hafen, Straßen, die sich über Jahrhunderte gesenkt haben. Der Bereich an der Ilmenau ist der Ort, an dem sich das am dichtesten zeigt, und er funktioniert zu jeder Jahreszeit.
Sehenswert wird es abends, wenn die Universität den Rhythmus der Stadt bestimmt und die Altstadt sich füllt. Wer die ruhige Variante möchte, geht die Ilmenau flussabwärts; nach wenigen Minuten ist die Stadt weg und die Aue beginnt.
Landkreis Lüchow-Dannenberg: die Elbtalaue
Das Wendland ist die dünn besiedelte Ecke der Region, und genau das ist sein Reiz. Die Elbtalaue gehört zum Biosphärenreservat, die Deiche geben lange gerade Wege, und der Himmel nimmt hier deutlich mehr Raum ein als anderswo. Im Herbst und Winter rasten Kraniche und Gänse in großer Zahl in den Wiesen.
Dazu kommen die Rundlingsdörfer, kreisförmig um einen Platz angelegte Siedlungen, von denen in dieser Dichte kaum etwas anderswo erhalten ist. Sie lassen sich gut mit dem Rad verbinden, weil die Entfernungen zwischen ihnen kurz sind.
Heidekreis: die Böhme und das Pietzmoor
Der Heidekreis wird häufig auf Freizeitparks reduziert, hat aber ruhige Seiten. Die Böhme durchzieht Soltau und lässt sich in der Stadt entlanglaufen; wenige Kilometer entfernt liegt mit dem Pietzmoor bei Schneverdingen eine Moorlandschaft, die über Bohlenwege erschlossen ist.
Ein Moor ist der Ort, an dem Wetter am meisten ausmacht. Bei Nebel im Herbst ist der Weg über die Bohlen eine andere Erfahrung als an einem klaren Sommertag, und der Herbst ist eindeutig die bessere Wahl.
Landkreis Cuxhaven: der Wattenmeer-Küstenstreifen
An der Küste bestimmen die Gezeiten den Tag. Das Watt ist Nationalpark und Weltnaturerbe, und eine geführte Wattwanderung erklärt in zwei Stunden mehr über diesen Lebensraum als jede Ausstellung. Wichtig ist die Regel, die jeder vor Ort hört: nur mit Führung oder mit sicherer Kenntnis der Tidezeiten.
Ruhiger als die bekannten Kurorte sind die Deichabschnitte dazwischen. Schafe, Deichkrone, Horizont und im Herbst der Vogelzug, der über der Küste stattfindet und mit einem Fernglas gut zu beobachten ist.
Wie man das verbindet
Die Region ist groß genug, dass sich Tagesausflüge lohnen, und klein genug, dass alle sechs Landkreise in Reichweite liegen. Für Zugezogene ist das ein guter Einstieg: ein Ort pro Monat, zu unterschiedlichen Jahreszeiten, und nach einem Jahr kennt man die Region nicht aus dem Prospekt, sondern aus eigener Anschauung.
Praktisch bleibt der Hinweis auf die Wege. Vieles ist mit der Bahn erreichbar, aber die letzte Etappe ist oft nur mit Rad oder Auto sinnvoll zu schaffen. Wer ohne Auto plant, prüft die Verbindung vorher und packt bei Küsten- und Moorzielen Kleidung für Wetter ein, das kurzfristig anders sein kann als angekündigt.
Wann lohnt sich das Alte Land am meisten?
Im Frühjahr zur Apfelblüte und im Herbst zur Ernte. Auf den Nebenwegen zwischen den Ortschaften ist deutlich weniger Betrieb als auf den Hauptstrecken.
Welche Ziele funktionieren ohne Auto?
Die Heide im Landkreis Harburg und die Lüneburger Altstadt sind gut mit der Bahn erreichbar. Bei anderen Zielen ist die letzte Etappe meist nur mit Rad oder Auto sinnvoll.
Kann man das Watt allein betreten?
Nur mit sicherer Kenntnis der Tidezeiten. Für alle anderen ist eine geführte Wattwanderung der richtige Weg.
Wann ist das Pietzmoor am eindrucksvollsten?
Im Herbst bei Nebel. Die Bohlenwege machen das Moor auch bei feuchtem Wetter gut begehbar.