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Festivals und Messen: die Arbeit dahinter

Aufbau, Technik, Sicherheit, Rückbau: welche Arbeit hinter einer Großveranstaltung steckt und welche Berufe sie braucht.

14. Oktober 2020 · 928 Wörter
Luftbild des Flugplatzes Nordholz-Spieka im Landkreis Cuxhaven
Nordholz-Spieka im Landkreis Cuxhaven. Foto: Carsten Steger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Festival mit mehreren zehntausend Besucherinnen und Besuchern ist für die Region, in der es stattfindet, mehr als ein Wochenende Musik. Es ist ein Wirtschaftsbetrieb mit Aufbau, Logistik, Sicherheit, Gastronomie und Nachbereitung, und im Landkreis Cuxhaven, wo das Deichbrand Festival auf dem Gelände bei Nordholz stattfindet, ein Arbeitgeber mit ganz eigenem Rhythmus.

Dieser Beitrag beschreibt, welche Arbeit hinter einer Großveranstaltung steckt und welche Berufe dabei gefragt sind, auch außerhalb der Festivaltage.

Was eine Großveranstaltung an Arbeit erzeugt

Der sichtbare Teil dauert wenige Tage, die Arbeit daran fast ein Jahr. Sie beginnt mit Planung und Genehmigung: Flächennutzung, Verkehrskonzept, Sicherheits- und Sanitätsplanung, Lärmschutz, Naturschutzauflagen. Danach folgt der Aufbau (Bühnen, Strom, Wasser, Zäune, Zeltstädte, Sanitäranlagen), der Wochen dauert und Fachfirmen aus der Region bindet.

Während der Veranstaltung arbeitet ein Vielfaches der festen Belegschaft: Ordnungsdienst, Sanitätsdienst, Gastronomie, Reinigung, Technik, Verkehrslenkung. Und danach beginnt der Rückbau, der ebenso lange dauert wie der Aufbau, weil die Fläche in einem definierten Zustand zurückgegeben werden muss.

Welche Berufe dahinterstehen

  • Veranstaltungstechnik: Ton, Licht, Bühne, Rigging; ein anerkannter Ausbildungsberuf mit hoher Nachfrage weit über Festivals hinaus.
  • Veranstaltungskaufleute: Planung, Kalkulation, Verträge, Genehmigungen, Ticketing.
  • Elektro- und Anlagentechnik: Stromversorgung im Baustellenmaßstab, Notstrom, Verteilung, Prüfungen.
  • Logistik und Fuhrpark: Anlieferung, Lagerflächen, Verkehrsführung, Rückbau.
  • Sicherheit und Sanität: Ordnungsdienst, Brandwache, Rettungsdienst, oft in Kooperation mit örtlichen Organisationen.
  • Gastronomie und Reinigung: der größte Personalblock während der Veranstaltung.

Warum das für die Region zählt

Eine Großveranstaltung bindet Aufträge in der Umgebung: Bau- und Elektrofirmen, Sanitärdienstleister, Sicherheitsunternehmen, Bäckereien, Getränkehandel, Speditionen, Unterkünfte. Für viele dieser Betriebe ist das ein planbarer Jahresumsatz, der ihnen zusätzlich ermöglicht, Personal zu halten, das sie sonst nicht auslasten könnten.

Der zweite Effekt ist Sichtbarkeit. Wer zum ersten Mal wegen eines Festivals in den Landkreis kommt, hat ein Bild von der Gegend, das nichts mit Arbeitsmarkt zu tun hat und aus dem später eine Wohnortentscheidung werden kann. Regionale Arbeitgeber wissen das und nutzen genau diese Wochen, um sich zu zeigen.

Wie eine Fläche zur Veranstaltungsfläche wird

Ein Gelände, auf dem an vier Tagen zehntausende Menschen stehen, muss vorher zu einer Infrastruktur gemacht werden, die es sonst nicht ist. Das beginnt beim Untergrund: Fahrwege für Schwerlast, Fluchtwege, Flächen, die auch nach zwei Tagen Regen befahrbar bleiben. Es folgen Strom in der Größenordnung eines kleinen Ortsteils, Trinkwasser, Abwasser, Datennetz für Kassen und Sicherheitstechnik.

Diese Arbeit ist Tiefbau, Elektrotechnik und Logistik, nicht Musik, und sie wird überwiegend von Firmen aus der Umgebung erbracht. Für den Landkreis heißt das, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt, und für Beschäftigte, dass es sich um reguläre technische Arbeit handelt, die sich in jedem anderen Bauprojekt genauso verwerten lässt.

Nachhaltigkeit und Auflagen

Große Veranstaltungen stehen seit Jahren unter genauerer Beobachtung: Abfallmengen, Anreiseverkehr, Lärm, Flächenschutz. Daraus sind eigene Aufgabenfelder entstanden: Abfall- und Mehrwegkonzepte, Verkehrsplanung mit Shuttle- und Bahnanbindung, Renaturierung der Fläche nach dem Rückbau, Dokumentation gegenüber Behörden.

Für Berufseinsteigende ist das relevant, weil hier Qualifikationen gefragt sind, die man nicht mit Festivals verbindet: Umwelttechnik, Verkehrsplanung, Verwaltung. Wer in diesen Feldern arbeitet, findet in der Veranstaltungswirtschaft Projekte mit klarem Anfang und Ende, für manche der angenehmste Arbeitsrhythmus überhaupt.

Saisonarbeit und was daraus werden kann

Für viele ist die Veranstaltungsbranche der Einstieg über eine Aushilfstätigkeit: Aufbau, Einlass, Gastronomie. Daraus wird für einen Teil mehr: Technikbereiche stellen häufig Menschen fest ein, die zuvor mehrere Saisons dabei waren, weil Zuverlässigkeit in diesem Feld schwerer zu finden ist als Fachwissen.

Wer diesen Weg gehen will, sollte früh auf eine Ausbildung zielen. Veranstaltungstechnik ist ein Beruf mit Perspektive weit über Festivals hinaus: Theater, Messen, Kongresse, Industrieveranstaltungen und Unternehmenskommunikation brauchen dieselben Qualifikationen, ganzjährig und mit geregelteren Arbeitszeiten.

Was die Arbeit fordert

Ehrlich benannt: Die Arbeitszeiten sind unregelmäßig, körperlich ist es fordernd, und in der Hochphase gibt es keine geregelten Wochenenden. Wetter ist ein permanenter Faktor: Aufbau bei Regen, Sturmwarnung mit Räumungsplan, Hitze mit Sanitätsaufkommen.

Was den Bereich trägt, ist die Sichtbarkeit des Ergebnisses. Anders als in vielen Berufen sieht man am Ende genau, was man gebaut hat, und man sieht die Menschen, die es nutzen. Für viele in dieser Branche ist das der Grund, warum sie trotz der Bedingungen bleiben.

Für Betriebe in der Region

Wer als Zulieferer oder Dienstleister an einer Großveranstaltung beteiligt sein will, sollte früh ansetzen: Vergaben laufen Monate vorher, und viele Positionen werden über Jahre mit denselben Partnern besetzt, weil Verlässlichkeit hier wichtiger ist als der Preis. Für kleinere Betriebe ist der Einstieg über Nischen realistisch: Technikverleih, Transport, Reinigung, Verpflegung des Aufbaupersonals.

Welche Berufe braucht eine Großveranstaltung?

Veranstaltungstechnik, Veranstaltungskaufleute, Elektro- und Anlagentechnik, Logistik, Sicherheits- und Sanitätsdienste sowie Gastronomie und Reinigung; der größte Personalblock entsteht während der Veranstaltung selbst.

Ist das nur Saisonarbeit?

Der sichtbare Teil ja, die Arbeit daran nicht: Planung, Aufbau und Rückbau ziehen sich über Monate. Viele beginnen als Aushilfe und werden im Technikbereich fest übernommen.

Lohnt sich eine Ausbildung in der Veranstaltungstechnik?

Sie ist weit über Festivals hinaus einsetzbar: Theater, Messen, Kongresse und Unternehmensveranstaltungen brauchen dieselben Qualifikationen, ganzjährig und mit geregelteren Zeiten.

Was hat die Region davon?

Aufträge für Bau-, Elektro-, Sicherheits- und Logistikbetriebe der Umgebung, Umsatz in Gastronomie und Beherbergung und Sichtbarkeit, die für manche Besuchende später zu einer Wohnortentscheidung wird.

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Landkreis Cuxhaven · NN +2 m

Hafen, Offshore-Wind, Lebensmittelwirtschaft und Tourismus zwischen Nordsee und Elbmündung — der Arbeitsmarkt im Landkreis Cuxhaven.

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