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Erneuerbare Energien: Arbeiten an der Küste

Welche Berufe die Energiebranche im Landkreis Cuxhaven wirklich sucht, welche Wege hineinführen und wie der Arbeitsalltag aussieht.

16. September 2021 · 902 Wörter
Windenergieanlage im Testfeld bei Cuxhaven
Windenergie-Testfeld bei Cuxhaven. Foto: NeukiJ, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wenn im Landkreis Cuxhaven über Arbeitsplätze der Zukunft gesprochen wird, geht es fast immer um Energie. Die Küstenlage, der Seehafen und die Nähe zu den Offshore-Feldern in Nord- und Ostsee haben die Region zu einem Standort gemacht, an dem Anlagen gebaut, verschifft, gewartet und betrieben werden. Für Berufseinsteigende, Umsteigende und Fachkräfte aus anderen Branchen entsteht daraus ein Arbeitsmarkt, der in den kommenden Jahren eher wächst als schrumpft.

Warum die Küste ein eigener Standort ist

Offshore-Komponenten sind zu groß für die Straße. Türme, Gondeln und Fundamente werden dort gefertigt oder umgeschlagen, wo ein Schwerlasthafen und ausreichend Fläche zusammenkommen und wo die Wege zum Einsatzgebiet kurz sind. Cuxhaven erfüllt diese Bedingungen, und das gilt nicht nur für den Bau, sondern auch für den Betrieb: Wartungsteams, Service-Schiffe, Ersatzteillogistik und Hafendienste arbeiten von hier aus.

Dazu kommt die Windenergie an Land. Der Landkreis gehört zu den windreichen Regionen Niedersachsens, und mit dem Ausbau wachsen Planung, Netzanschluss, Betriebsführung und Rückbau als eigene Tätigkeitsfelder.

Welche Berufe tatsächlich gefragt sind

  • Elektronik und Elektrotechnik: Betriebstechnik, Automatisierung, Mittel- und Hochspannung. Der größte Engpass der Branche.
  • Mechatronik und Industriemechanik: Montage, Inbetriebnahme, Instandhaltung von Anlagen und Getrieben.
  • Metallbau und Schweißtechnik: Fundamente, Stahlbau, Reparaturen an großen Komponenten.
  • Service und Instandhaltung offshore: Teams, die in Schichten auf See arbeiten, mit Sicherheitszertifikaten und Höhentauglichkeit.
  • Hafen und Logistik: Schwerlast, Kranbetrieb, Disposition, Ladungssicherung.
  • Planung und Genehmigung: Bau- und Umweltingenieurwesen, Vermessung, Projektsteuerung.
  • Kaufmännische Berufe: Einkauf, Vertragsmanagement, Abrechnung von Wartungsverträgen.

Auffällig ist, wie viele dieser Tätigkeiten klassische Ausbildungsberufe sind. Die Branche gilt als akademisch, lebt aber von Fachkräften mit gewerblich-technischer Ausbildung und Zusatzqualifikationen.

Der Weg hinein

Es gibt drei übliche Zugänge. Der erste ist die Ausbildung: Elektroniker, Industriemechanikerin, Mechatroniker, Fachkraft für Hafenlogistik. Wer diesen Weg wählt, hat nach dem Abschluss selten Suchprobleme.

Der zweite ist der Quereinstieg aus verwandten Bereichen: Schiffbau, Anlagenbau, Kfz-Technik, Handwerk. Wer die Grundlagen mitbringt, wird häufig im Betrieb weiterqualifiziert; die branchenspezifischen Zertifikate für Arbeiten auf See oder in Höhe lassen sich in Kursen von wenigen Wochen erwerben.

Der dritte ist das Studium in Elektrotechnik, Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Umwelttechnik, oft dual. Für Planung, Netzanschluss und Projektentwicklung ist das der übliche Weg.

Was man über den Arbeitsalltag wissen sollte

Offshore-Arbeit ist gut bezahlt und anspruchsvoll. Sie bedeutet Schichten auf See, Abwesenheit von zu Hause, Wetterabhängigkeit und strenge Sicherheitsvorgaben. Wer damit gut zurechtkommt, findet ein stabiles Berufsfeld; wer Familienalltag in festen Tagesstrukturen braucht, ist an Land (in Wartungsplanung, Werkstatt, Logistik oder Betriebsführung) besser aufgehoben. Beide Wege existieren nebeneinander, und viele wechseln nach einigen Jahren von See an Land.

Ein zweiter Punkt ist die Konjunktur der Branche. Ausbau erfolgt in Wellen, abhängig von Ausschreibungen und politischen Rahmenbedingungen. Beschäftigte mit breiter elektrotechnischer Grundqualifikation sind davon weniger betroffen als hochspezialisierte Profile, weil sie zwischen Anlagenbau, Netz und Industrie wechseln können.

Was Betriebe an der Küste verändert haben

Der Wettbewerb um technische Fachkräfte hat die Personalarbeit in der Branche sichtbar verändert. Viele Betriebe bilden inzwischen deutlich über den eigenen Bedarf hinaus aus, übernehmen die Kosten für Zusatzqualifikationen und stellen Menschen ein, die fachlich noch nicht fertig sind. Was früher als Risiko galt, ist heute die übliche Antwort auf einen leeren Bewerbermarkt.

Ebenso verbreitet sind Kooperationen: gemeinsame Ausbildungswerkstätten, geteilte Schulungen für Sicherheitszertifikate und Absprachen mit Berufsschulen und Hochschulen in der Region. Für Bewerbende hat das einen angenehmen Nebeneffekt: wer einmal im Netzwerk ist, findet den nächsten Schritt meist innerhalb der Region und muss dafür nicht wegziehen.

Leben im Landkreis

Der Standort bietet, was Ballungsräume nicht bieten: bezahlbaren Wohnraum, kurze Wege zur Arbeit, Betreuungsplätze und die Nordsee vor der Tür. Wer aus einer Großstadt kommt, gewinnt an Zeit und Fläche und verzichtet auf ein dichtes Freizeit- und Nahverkehrsangebot. Für Familien ist die Rechnung häufig eindeutig, für Berufseinsteigende ohne Auto weniger.

Die Anbindung nach Bremerhaven, Bremen und Hamburg ist vorhanden, aber sie kostet Zeit. Wer plant, im Landkreis zu wohnen und in der Metropolregion zu arbeiten, sollte die Verbindung vor dem Umzug einmal zur echten Arbeitszeit fahren.

Womit man anfängt

Für Schülerinnen und Schüler ist das Praktikum der beste Einstieg; die Betriebe zeigen ihre Anlagen gern, und die Berufsbilder erschließen sich vor Ort schneller als in jeder Beschreibung. Für Umsteigende lohnt der Weg über die Beratung der Agentur für Arbeit und der Kammern, weil sich dort klären lässt, welche Qualifizierung gefördert wird. Und für alle gilt: Die Branche sucht selten nach dem perfekten Lebenslauf, sondern nach Menschen, die eine technische Grundausbildung mitbringen und bereit sind, sich einarbeiten zu lassen.

Welche Ausbildungen führen in die Energiebranche an der Küste?

Vor allem Elektronik, Mechatronik, Industriemechanik, Metallbau und Hafenlogistik, überwiegend klassische gewerblich-technische Ausbildungsberufe.

Ist ein Quereinstieg möglich?

Ja. Aus Schiffbau, Anlagenbau, Kfz-Technik oder Handwerk führt der Weg meist über eine Weiterqualifizierung im Betrieb und branchenspezifische Sicherheitszertifikate.

Muss man offshore arbeiten?

Nein. Wartungsplanung, Werkstatt, Logistik, Betriebsführung und Planung finden an Land statt; viele wechseln nach einigen Jahren von See an Land.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Der Ausbau verläuft in Wellen. Wer eine breite elektrotechnische Grundqualifikation hat, kann zwischen Anlagenbau, Netz und Industrie wechseln und ist dadurch weniger abhängig von einzelnen Projekten.

Im Profil

Landkreis Cuxhaven · NN +2 m

Hafen, Offshore-Wind, Lebensmittelwirtschaft und Tourismus zwischen Nordsee und Elbmündung — der Arbeitsmarkt im Landkreis Cuxhaven.

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