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Recruiting über Netzwerke im Heidekreis

Warum viele Stellen im Heidekreis nie ausgeschrieben werden, wie Betriebe Netzwerke nutzen und wo diese Wege an ihre Grenzen stoßen.

24. Juni 2021 · 876 Wörter
Die Böhme in Soltau, gesäumt von Bäumen
Die Böhme in Soltau. Foto: Oxfordian Kissuth, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Im Heidekreis werden Stellen häufig besetzt, bevor sie ausgeschrieben sind. Das klingt nach einem Nachteil für Zuziehende, ist aber vor allem eine Aussage darüber, wie der Arbeitsmarkt in einer Flächenregion funktioniert: über Menschen, die einander kennen. Wer das versteht, sucht anders, und Betriebe, die es verstehen, besetzen schneller.

Warum Netzwerke hier stärker wirken

In einer Region mit vielen kleinen und mittleren Betrieben gibt es selten Personalabteilungen. Wer jemanden braucht, fragt zuerst im eigenen Umfeld: die Belegschaft, Lieferanten, den Betrieb nebenan, den Verein, die Berufsschule. Das ist kein Ersatz für ordentliche Verfahren, sondern schlicht der schnellste Weg, und er kostet nichts.

Für Bewerbende bedeutet das: Ein großer Teil der Stellen ist nie öffentlich sichtbar. Wer nur Portale durchsucht, sieht einen Ausschnitt des Marktes und häufig den weniger attraktiven, weil dort vor allem das landet, was intern nicht besetzt werden konnte.

Was Betriebe konkret tun

  • Empfehlungen aus der Belegschaft: der wirksamste Kanal im ländlichen Raum. Wer empfiehlt, bürgt mit dem eigenen Namen, und die Passung stimmt entsprechend häufiger.
  • Praktika und Schulkooperationen: Berufsorientierung ist Rekrutierung mit langer Vorlaufzeit. Betriebe, die Plätze anbieten, tauchen bei der Berufswahl überhaupt erst auf.
  • Ausbildungsverbünde: mehrere Betriebe bilden gemeinsam aus, wenn keiner allein alle Inhalte abdecken kann.
  • Gemeinsame Auftritte: Messen, Aktionstage und Betriebsbesichtigungen, organisiert über Wirtschaftsförderung oder Kammern.
  • Kontakt zu Rückkehrenden: Menschen, die zum Studium weggezogen sind, kommen oft zurück, wenn sie wissen, dass es passende Arbeit gibt.

Wie man als Suchende vorgeht

Der wirksamste Schritt ist die Initiativbewerbung. In einer Region, in der viele Betriebe nicht ausschreiben, ist eine gut gemachte Bewerbung ohne konkrete Stelle keine Zumutung, sondern eine Information: Hier ist jemand, der bleiben möchte. Sie sollte kurz sein, den Betrieb tatsächlich kennen und einen Anlass nennen.

Der zweite Schritt ist Sichtbarkeit vor Ort. Vereine, Feuerwehr, Ehrenamt, Elternabende: das sind die Orte, an denen im ländlichen Raum Kontakte entstehen. Wer neu ist, hat dort binnen eines Jahres mehr berufliche Anknüpfungspunkte als über jedes Portal.

Der dritte Schritt ist die Beratung. Agentur für Arbeit, Kammern und Wirtschaftsförderung kennen Betriebe, die suchen, ohne zu inserieren. Diese Gespräche sind kostenfrei und werden erstaunlich selten genutzt.

Was ein Empfehlungsprogramm braucht

Viele Betriebe setzen auf Empfehlungen, ohne sie zu organisieren und wundern sich, dass wenig kommt. Damit der Kanal trägt, braucht es drei Dinge: Die Belegschaft muss wissen, welche Stellen offen sind, sie muss wissen, was der Betrieb einer empfohlenen Person bietet, und sie muss eine Rückmeldung bekommen, wenn aus einer Empfehlung nichts wird. Fehlt der letzte Punkt, empfiehlt beim zweiten Mal niemand mehr.

Eine Prämie ist dabei weniger entscheidend als der Umgang mit den Vorgeschlagenen. Wer empfohlen wird und wochenlang nichts hört, beschädigt das Ansehen der Person, die empfohlen hat. Schnelle Rückmeldung ist deshalb kein Serviceargument, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Kanal überhaupt funktioniert.

Die Grenzen des Netzwerks

So gut informelle Wege funktionieren, sie haben eine Schwäche: Sie reproduzieren, wer schon da ist. Wer neu zugezogen ist, keine Familie in der Region hat oder aus dem Ausland kommt, hat kein Netzwerk, in dem empfohlen werden könnte und fällt dadurch durch ein Raster, das mit Qualifikation nichts zu tun hat.

Betriebe, die ausschließlich über Empfehlungen besetzen, merken das erst, wenn der Bewerbermarkt leer ist. Dann fehlen genau die Menschen, die sie zuvor nie erreicht haben. Die Antwort darauf ist kein Verzicht auf Netzwerke, sondern ein zweiter, offener Kanal: eine ordentliche Stellenseite, eine klare Beschreibung des Arbeitsalltags und die Bereitschaft, Menschen einzustellen, die niemand im Betrieb kennt.

Was den Heidekreis attraktiv macht

Die Region hat Argumente, die im Wettbewerb mit Hamburg, Bremen und Hannover zählen: verfügbarer Wohnraum, kurze Wege, Betreuungsplätze mit kürzeren Wartezeiten und Betriebe, in denen man nicht anonym bleibt. Die Heide vor der Tür ist für viele nicht der Grund zu kommen, aber häufig ein Grund zu bleiben.

Ehrlich benannt gehört die andere Seite dazu: Wer ohne Auto plant, sollte die Verbindungen vor der Wohnungsentscheidung prüfen, ärztliche Termine brauchen Vorlauf, und ein dichtes Kulturangebot findet man eher in den Städten. Betriebe, die beides ansprechen, wirken glaubwürdiger als solche, die nur Lebensqualität versprechen.

Ein realistischer Zeitrahmen

Über Netzwerke besetzt man schnell, sobald das Netzwerk steht, und das dauert. Schulkooperationen wirken nach Jahren, Empfehlungsprogramme nach Monaten, ein Praktikumsplatz manchmal sofort. Wer heute anfängt, sollte nicht mit dem nächsten Quartal rechnen, sondern mit der übernächsten Einstellung. Genau deshalb lohnt es sich, damit nicht erst zu beginnen, wenn eine Stelle schon offen ist.

Warum sind viele Stellen im Heidekreis nicht ausgeschrieben?

Weil kleine und mittlere Betriebe zuerst im eigenen Umfeld fragen: Belegschaft, Lieferanten, Vereine, Berufsschule. Das ist schneller und kostet nichts.

Lohnt sich eine Initiativbewerbung?

Ja, gerade hier. Sie sollte kurz sein, den Betrieb wirklich kennen und einen konkreten Anlass nennen.

Was tun Zugezogene ohne Netzwerk?

Sichtbarkeit vor Ort aufbauen (Vereine, Ehrenamt, Elternabende) und die kostenfreie Beratung von Agentur für Arbeit, Kammern und Wirtschaftsförderung nutzen.

Reichen Empfehlungen als einziger Kanal aus?

Nein. Sie erreichen nur, wer bereits vernetzt ist. Ein zweiter, offener Kanal ist nötig, um Zuziehende und Fachkräfte von außerhalb überhaupt zu erreichen.

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Landkreis Heidekreis · NN +40 m

Logistik an den Autobahnkreuzen, Konsumgüterindustrie und Tourismus in der Lüneburger Heide — der Arbeitsmarkt im Heidekreis.

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