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So leben Familien im Cuxland

Bezahlbarer Wohnraum, Kita-Plätze und kurze Wege im Ort: was für Familien im Cuxland spricht und welche drei Fragen vor dem Umzug geklärt sein sollten.

15. September 2021 · 890 Wörter
Die Medem in Otterndorf im Landkreis Cuxhaven, Wasserlauf mit Uferbebauung
Die Medem in Otterndorf im Cuxland. Foto: Niclas Röse, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Cuxland, der ländliche Teil des Landkreises Cuxhaven zwischen Küste, Moor und Geest, wirbt bei Familien mit drei Argumenten: bezahlbarer Wohnraum, kurze Wege im Ort und Betreuung, die man tatsächlich bekommt. Alle drei stimmen, und alle drei haben eine Kehrseite, die man vor einem Umzug kennen sollte. Dieser Beitrag stellt beides nebeneinander.

Wohnen: mehr Fläche, andere Rechnung

Der auffälligste Unterschied zu Hamburg oder Bremen ist der Preis pro Quadratmeter. Wer aus einer Großstadt kommt, bekommt im Cuxland für dieselbe Miete regelmäßig ein Haus mit Garten statt einer Wohnung und für den Kaufpreis einer Stadtwohnung häufig ein Grundstück mit Bestandsgebäude.

Die Kehrseite: Ein Teil des Bestands ist alt und sanierungsbedürftig, und Handwerksbetriebe sind ausgelastet. Wer ein Haus mit Sanierungsstau kauft, sollte Zeitpuffer und Kostenpuffer großzügig ansetzen. Direkt an der Küste kommt hinzu, dass Wohnraum mit Ferienvermietung konkurriert; deshalb suchen die meisten Zuziehenden ein Stück landeinwärts.

Betreuung und Schule

Kita-Plätze sind im Cuxland leichter zu bekommen als im Hamburger Umland, und die Betreuungskosten liegen in Niedersachsen für das Kindergartenalter niedrig. Für Familien mit zwei berufstätigen Eltern ist das der Posten, der die Gesamtrechnung am stärksten verändert.

Der entscheidende Punkt ist aber nicht die Verfügbarkeit, sondern die Passung: Öffnungszeiten und Schichtmodelle müssen zusammengehen. In Hafen, Industrie und Pflege beginnt die Frühschicht vor der Kita, und wer keine Randzeitenbetreuung oder Absprache im Betrieb hat, organisiert den Alltag über Nachbarschaft und Großeltern. Diese Frage sollte vor der Zusage geklärt sein, nicht danach.

Bei weiterführenden Schulen zählt die Fahrzeit. Grundschulen liegen meist im Ort, Gymnasien und berufsbildende Schulen in den größeren Zentren. Für Kinder bedeutet das Busfahrten, für Eltern Planung, und für die Wohnortwahl ist es oft das ausschlaggebende Kriterium.

Wege und Mobilität

  • Innerhalb des Ortes läuft vieles zu Fuß oder mit dem Rad, und Kinder sind hier deutlich früher selbstständig unterwegs als in der Stadt.
  • Zwischen den Orten ist der Nahverkehr dünn getaktet. Zwei Autos sind in vielen Familien kein Luxus, sondern Voraussetzung, wenn beide Eltern arbeiten.
  • Zur Arbeit sind zwanzig bis vierzig Minuten normal. Das ist weniger als eine Pendelstrecke in die Großstadt, aber mehr, als die Karte vermuten lässt.

Was den Alltag trägt

Familien, die aus einer Großstadt hergezogen sind, beschreiben fast immer denselben Wendepunkt, und es ist nicht das Meer. Es ist der Moment, in dem der Alltag ohne Terminkalender funktioniert: Das Kind fährt allein zum Sport, die Nachbarin nimmt es mit, der Verein übernimmt einen Nachmittag. Diese Netze entstehen nicht von selbst, sondern über Feuerwehr, Sportverein und Kita-Elternabend, und wer sich dort nicht zeigt, bleibt länger fremd, als er erwartet.

Umgekehrt gilt: Wer aus einem Ort mit dichter Infrastruktur kommt, vermisst zuerst die Beiläufigkeit: Kino, Auswahl beim Einkauf, spontane Verabredungen. Das ist kein kleines Detail, sondern der häufigste Grund, warum ein Umzug nach zwei Jahren wieder rückgängig gemacht wird.

Arbeit für beide Elternteile

Der Punkt, an dem Umzüge tatsächlich entschieden werden, ist selten die erste Stelle, sondern die zweite. Ein Haushalt mit zwei Berufstätigen braucht zwei passende Arbeitsplätze in vertretbarer Entfernung, und in einem Flächenkreis ist das die eigentliche Hürde.

Zwei Wege haben sich bewährt. Erstens: prüfen, ob mindestens einer der beiden Berufe im Kreis mehrere mögliche Arbeitgeber hat; bei Pflege, Handwerk, Technik und Verwaltung ist das der Fall. Zweitens: klären, ob eine der beiden Stellen teilweise ortsunabhängig ausgeübt werden kann; seit sich Büroarbeit verteilt hat, ist genau das für viele Familien der Schlüssel, der den Umzug überhaupt möglich macht.

Die ehrliche Bilanz

Das Cuxland eignet sich gut für Familien, die Fläche, Ruhe und ein selbstständiges Aufwachsen ihrer Kinder wollen und bereit sind, Wege in Kauf zu nehmen und sich vor Ort einzubringen. Es eignet sich schlecht für Haushalte, die auf dichte Kulturangebote, ein großes Arbeitsplatzangebot in einem sehr spezialisierten Beruf oder einen Alltag ohne Auto angewiesen sind.

Wer vorher die drei Fragen beantwortet (Wohnung, Betreuung im Verhältnis zur Schicht, zweite Stelle), trifft eine belastbare Entscheidung. Wer sie offenlässt, entscheidet über das Bild vom Strand, und das trägt genau einen Sommer weit.

Wie teuer ist Wohnen im Cuxland im Vergleich zur Großstadt?

Deutlich günstiger: Für die Miete einer Stadtwohnung bekommt man hier häufig ein Haus mit Garten. Zu beachten sind Sanierungsbedarf im Bestand und die Konkurrenz zur Ferienvermietung direkt an der Küste.

Bekomme ich einen Kita-Platz?

Leichter als im Hamburger Umland. Entscheidend ist weniger die Verfügbarkeit als die Passung zwischen Öffnungszeiten und Schichtmodell; das sollte vor der Zusage mit dem Arbeitgeber geklärt sein.

Kommt man hier ohne Auto zurecht?

Innerhalb der Orte ja, zwischen den Orten kaum. In Familien mit zwei Berufstätigen sind zwei Fahrzeuge häufig Voraussetzung, weil der Nahverkehr in der Fläche dünn getaktet ist.

Was ist die größte Hürde bei einem Umzug ins Cuxland?

Die zweite Stelle. Ein Haushalt mit zwei Berufstätigen braucht zwei passende Arbeitsplätze in erreichbarer Nähe; deshalb lohnt zu prüfen, ob mindestens ein Beruf im Kreis mehrere Arbeitgeber hat oder teilweise ortsunabhängig geht.

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Landkreis Cuxhaven · NN +2 m

Hafen, Offshore-Wind, Lebensmittelwirtschaft und Tourismus zwischen Nordsee und Elbmündung — der Arbeitsmarkt im Landkreis Cuxhaven.

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