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Meister im Handwerk: Prüfung, Kosten, Perspektiven

Was die Meisterprüfung umfasst, wie sie finanziert wird und welche Wege sie öffnet: von Selbstständigkeit bis Ausbildungsberechtigung.

4. November 2021 · 830 Wörter
Fachwerk-Bauernhaus mit Scheunentor und Wagenrad in Hitzacker an der Elbe
Fachwerk in Hitzacker. Foto: Franzfoto, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Meisterbrief ist in Deutschland mehr als eine Weiterbildung: Er ist Zugangsvoraussetzung für die selbstständige Ausübung vieler Handwerke, Berechtigung zur Ausbildung von Nachwuchs und ein anerkannter Abschluss auf demselben Niveau wie ein Bachelor im Deutschen Qualifikationsrahmen. In einer Region, in der Handwerk einer der größten Arbeitgeberblöcke ist, ist er entsprechend relevant.

Dieser Beitrag erklärt, was der Meister umfasst, was er kostet, wie er finanziert wird und welche Wege er öffnet.

Was die Prüfung umfasst

Die Meisterprüfung besteht aus vier Teilen. Teil I ist die fachpraktische Prüfung, meist mit einem Meisterprüfungsprojekt. Teil II prüft das Fachtheoretische. Teil III umfasst betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Kenntnisse, und Teil IV die Berufs- und Arbeitspädagogik, die Grundlage dafür, selbst ausbilden zu dürfen.

Die Teile III und IV sind in allen Handwerken gleich und können unabhängig vom Fachteil abgelegt werden. Das ist praktisch relevant: Viele beginnen damit, weil sie sich zeitlich besser einteilen lassen und weil Teil IV allein schon die Ausbildungsberechtigung bringt.

Voll- oder berufsbegleitend

  • Vollzeit: je nach Gewerk mehrere Monate am Stück; schnell, aber mit Verdienstausfall.
  • Berufsbegleitend: Abende und Wochenenden über ein bis zwei Jahre; verträglicher fürs Einkommen, anstrengend für den Alltag.
  • Kombiniert: Teile III und IV berufsbegleitend, der Fachteil in einer Vollzeitphase.

Welche Variante passt, hängt weniger vom Lerntyp ab als von der Lebenssituation. Wer Familie hat, sollte die berufsbegleitende Variante realistisch durchrechnen: Zwei Abende und ein Samstag pro Woche über anderthalb Jahre sind eine erhebliche Belastung für alle im Haushalt.

Was es kostet und wer zahlt

Die Kosten setzen sich aus Lehrgangs-, Prüfungs- und Materialgebühren zusammen und liegen je nach Gewerk im mittleren vierstelligen Bereich, bei materialintensiven Handwerken höher. Dem stehen mehrere Förderwege gegenüber.

Aufstiegs-BAföG übernimmt einen erheblichen Teil der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren und gewährt bei Vollzeit zusätzlich einen Unterhaltsbeitrag. Bei bestandener Prüfung wird ein Teil des Darlehens erlassen. Dazu kommen Landesprogramme (in Niedersachsen etwa eine Meisterprämie nach bestandener Prüfung) sowie Zuschüsse des Arbeitgebers, der ein eigenes Interesse hat, wenn er ausbilden oder eine Betriebsleitung besetzen will.

Weil sich Bedingungen ändern, gilt hier dieselbe Regel wie bei jeder Förderung: erst bei der Kammer beraten lassen, dann anmelden, nicht umgekehrt.

Was der Meister praktisch öffnet

Drei Wege. Der erste ist die Selbstständigkeit: In zulassungspflichtigen Handwerken ist der Meisterbrief Voraussetzung für die Eintragung in die Handwerksrolle. Der zweite ist die Betriebsleitung im Angestelltenverhältnis; viele Betriebe suchen Werkstatt- oder Bauleitung und finden sie kaum. Der dritte ist die Ausbildung: Ohne die Ausbildereignung darf ein Betrieb keinen Nachwuchs annehmen.

Gerade der dritte Punkt ist regional bedeutsam. Wenn in einem Kreis die Zahl der Ausbildungsberechtigten sinkt, sinkt auch die Zahl der Ausbildungsplätze, unabhängig davon, wie viele Jugendliche suchen.

Was der Meister im Alltag verändert

Der größte Unterschied ist nicht das Fachliche, sondern die Verantwortung für Abläufe. Wer Werkstatt oder Baustelle leitet, kalkuliert Aufträge, plant Personal, bestellt Material, führt Gespräche mit Kundschaft und Belegschaft und trägt die Verantwortung für Termine und Arbeitssicherheit. Das Handwerk selbst wird dabei weniger, nicht mehr.

Wer das vorher weiß, entscheidet besser. Manche Fachkräfte stellen nach der Prüfung fest, dass sie lieber an der Maschine oder auf der Baustelle stehen und nutzen den Meister dann für die Ausbildungsberechtigung, nicht für eine Leitungsrolle. Auch das ist eine sinnvolle Verwendung.

Und danach

Der Meister ist kein Endpunkt. Er berechtigt in Niedersachsen zum Studium auch ohne Abitur, was Wege in Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaft oder Technik öffnet. Wer im Betrieb bleibt, kann sich in Richtung Kalkulation, Arbeitsvorbereitung, Qualitätsmanagement oder Sachverständigenwesen entwickeln.

Für die Region ist das ein wichtiger Punkt: Diese Wege lassen sich hier gehen, ohne umzuziehen. In einem Arbeitsmarkt, in dem viele Qualifikationen nur einen möglichen Arbeitgeber haben, ist der Meister eine der wenigen, die überall gebraucht wird.

Wann er sich lohnt

Verlässlich in drei Fällen: wenn eine Selbstständigkeit tatsächlich geplant ist, wenn der Betrieb eine Leitungsposition in Aussicht stellt, und wenn man ausbilden möchte. Weniger sinnvoll ist er als reine Absicherung ohne konkretes Ziel; dafür ist der Aufwand zu hoch, und eine gezielte Fachweiterbildung bringt dann oft mehr.

Aus welchen Teilen besteht die Meisterprüfung?

Fachpraxis, Fachtheorie, betriebswirtschaftlich-rechtlicher Teil und Berufs- und Arbeitspädagogik. Die letzten beiden sind in allen Handwerken gleich und können separat abgelegt werden.

Wie wird der Meister finanziert?

Über Aufstiegs-BAföG mit Zuschuss und Darlehen, Landesprogramme wie die Meisterprämie und häufig eine Beteiligung des Arbeitgebers. Beratung bei der Kammer vor der Anmeldung einholen.

Brauche ich den Meister zum Ausbilden?

Für die Ausbildungsberechtigung ist die Ausbildereignung nach Teil IV erforderlich. Ohne ausbildungsberechtigte Person darf ein Betrieb keine Auszubildenden annehmen.

Kann ich mit dem Meister studieren?

Ja, er berechtigt in Niedersachsen zum Studium auch ohne Abitur und öffnet damit Wege in Technik, Bauwesen oder Betriebswirtschaft.

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Landkreis Lüchow-Dannenberg · NN +22 m

Handwerk, Landwirtschaft und ein Lebensmodell, das Zugezogene hält — arbeiten im Wendland.

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