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Fachkräfte finden und binden im Landkreis Lüneburg

Wie Betriebe im Landkreis Lüneburg im Wettbewerb mit Hamburg Fachkräfte gewinnen und warum Bleiben die schwierigere Aufgabe ist.

28. Mai 2021 · 907 Wörter
Marktfassade des Rathauses in Lüneburg
Das Rathaus in Lüneburg. Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Fachkräfte zu finden ist im Landkreis Lüneburg längst kein Aushang-Thema mehr. Betriebe konkurrieren nicht nur untereinander, sondern mit dem Arbeitsmarkt der Metropolregion Hamburg, der eine knappe Stunde entfernt liegt. Wer hier gewinnt, tut es selten über das Gehalt allein, sondern über Dinge, die sich in einer Stellenanzeige schlecht ausdrücken lassen.

Der Engpass verschiebt sich

Über Jahre lautete die Frage, wie man genügend Bewerbungen bekommt. Heute lautet sie, wie man die richtigen bekommt und behält. Das verschiebt den Aufwand: weniger Budget in Anzeigen, mehr Arbeit an Prozessen, Arbeitszeitmodellen und daran, wie ein Betrieb von außen wirkt.

Besonders deutlich wird das in Berufen, in denen bundesweit gesucht wird: Pflege, Handwerk, IT, technische Fachberufe. Dort entscheidet die Geschwindigkeit: Wer zwei Wochen bis zur ersten Rückmeldung braucht, verliert Bewerbende an Betriebe, die am nächsten Tag anrufen.

Was Betriebe im Landkreis konkret verändern

  • Verkürzte Verfahren: eine Rückmeldung innerhalb von 48 Stunden, ein Gespräch statt drei Runden, Probearbeiten statt Assessment.
  • Ausbildung als Rekrutierungsweg: wer selbst ausbildet, sucht später seltener am Markt. Praktika und Schulkooperationen sind der Einstieg dazu.
  • Arbeitszeit als Argument: Vier-Tage-Modelle, verlässliche Schichtpläne, Gleitzeit; im Wettbewerb mit Hamburg wiegt planbare Zeit oft schwerer als der Stundenlohn.
  • Weiterbildung im Betrieb: Qualifizierung von Quereinsteigenden statt Warten auf die perfekte Bewerbung.
  • Unterstützung beim Ankommen: Hilfe bei Wohnungssuche, Kita-Platz und Behördengängen, gerade bei Zuzug von weiter her.

Der Standort als Teil des Angebots

Ein Betrieb im Landkreis verkauft nicht nur eine Stelle, sondern einen Alltag: kurze Wege, bezahlbarer Wohnraum im Vergleich zur Stadt, Kita-Plätze, die häufiger verfügbar sind, und Natur, die vor der Haustür beginnt. Diese Argumente wirken, wenn sie konkret werden, mit Fahrzeiten, mit Mieten, mit Namen von Schulen und Vereinen, nicht mit dem Wort Lebensqualität.

Umgekehrt gilt: Wer über Standortvorteile spricht, muss die Nachteile kennen. Der ÖPNV ist auf Schule und Arbeit ausgelegt, ärztliche Termine brauchen Vorlauf, und ohne Führerschein wird der Alltag in manchen Gemeinden mühsam. Betriebe, die das offen ansprechen und Lösungen anbieten (Jobrad, Fahrgemeinschaften, Zuschuss zum Deutschlandticket) sind glaubwürdiger als jede Imagebroschüre.

Zusammenarbeit statt Einzelkampf

Kleine Betriebe können vieles nicht allein stemmen. Gemeinsame Auftritte auf Messen, geteilte Ausbildungsverbünde, Kooperationen mit Schulen und Hochschulen und die Angebote der Wirtschaftsförderung senken den Aufwand für den Einzelnen. Für Berufsorientierung sind Praktikumsplätze das wirksamste Mittel: Sie kosten wenig und entscheiden oft über die Berufswahl.

Auch die Kammern spielen hier eine Rolle. Beratung zu Ausbildung, Weiterbildung und zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse ist kostenfrei und wird von kleineren Betrieben deutlich seltener genutzt, als sie es könnten.

Sichtbarkeit ohne Werbebudget

Viele Betriebe im Landkreis sind fachlich stark und öffentlich unsichtbar. Wer den Namen sucht, findet eine Seite mit Kontaktdaten und sonst wenig: keine Hinweise darauf, wie gearbeitet wird, wer das Team ist, welche Projekte laufen. Für Bewerbende, die zwischen zwei Angeboten wählen, ist das ein Nachteil, der nichts kostet außer Aufmerksamkeit.

Der Aufwand dafür ist überschaubar: eine Seite, die die Arbeit zeigt statt sie zu beschreiben, aktuelle Fotos aus dem Betrieb statt Stockmaterial, eine ehrliche Beschreibung des Arbeitsalltags samt seiner unangenehmen Seiten. Betriebe, die Schichtarbeit oder Außeneinsätze offen benennen, bekommen weniger Bewerbungen, aber deutlich weniger Abbrüche in der Probezeit.

Dazu kommt der Weg über die Beschäftigten selbst. Empfehlungen aus der Belegschaft führen im ländlichen Raum häufiger zu Einstellungen als jede Anzeige, weil sie über Netzwerke laufen, die es ohnehin gibt: Verein, Nachbarschaft, Familie. Wer diesen Weg systematisch nutzt, spart Suchkosten und gewinnt Menschen, die den Betrieb bereits kennen.

Bleiben ist die eigentliche Aufgabe

Rekrutierung ist teuer, Fluktuation ist teurer. Die Gründe für einen Wechsel sind selten spektakulär: fehlende Entwicklungsperspektive, unklare Zuständigkeiten, Führung, die nur bei Problemen sichtbar wird. Entsprechend unspektakulär sind die Gegenmittel: regelmäßige Gespräche, klare Rollen, sichtbare Entwicklungswege und die Bereitschaft, Teilzeitwünsche ernst zu nehmen.

Ein Punkt wird dabei häufig unterschätzt: Wer neu zuzieht, entscheidet nicht allein. Ob die Partnerin oder der Partner Arbeit findet, ob die Kinder einen Platz bekommen, ob der Haushalt sich im Ort wohlfühlt; das bestimmt, ob eine Einstellung nach zwei Jahren noch Bestand hat. Betriebe, die die Familie mitdenken, halten Menschen länger.

Womit man anfängt

Der Einstieg ist kleiner, als viele erwarten. Drei Fragen reichen für den Anfang: Wie lange dauert es bei uns von der Bewerbung bis zur ersten Rückmeldung? Was erfährt jemand über uns, der nur unseren Namen sucht? Und warum haben die letzten drei Personen gekündigt? Die Antworten zeigen meist genauer, wo es hakt, als jede zusätzliche Anzeige.

Warum reichen Stellenanzeigen allein nicht mehr aus?

Weil der Engpass nicht bei der Zahl der Bewerbungen liegt, sondern bei Passung und Geschwindigkeit. Wer spät zurückmeldet, verliert Bewerbende an schnellere Betriebe.

Was zieht Fachkräfte in den Landkreis Lüneburg?

Kurze Wege, bezahlbarer Wohnraum im Vergleich zur Stadt, verfügbare Betreuungsplätze und planbare Arbeitszeit, vor allem dann, wenn diese Punkte konkret benannt werden.

Was können kleine Betriebe tun, die keine Personalabteilung haben?

Verfahren verkürzen, selbst ausbilden, Praktikumsplätze anbieten und die kostenfreie Beratung der Kammern sowie gemeinsame Auftritte mit anderen Betrieben nutzen.

Warum kündigen Beschäftigte im ländlichen Raum?

Meist wegen fehlender Entwicklungsperspektive, unklarer Zuständigkeiten oder weil der Haushalt insgesamt nicht ankommt, selten allein wegen des Gehalts.

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Landkreis Lüneburg · NN +17 m

Gesundheit, Bildung und Mittelstand zwischen Elbe und Heide — der Arbeitsmarkt im Landkreis Lüneburg.

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